Wie viel erbt man in Liechtenstein im Durchschnitt? Die letzte amtliche Zahl stammt aus 2010: Damals wurden in 306 steuerlich erfassten Verfahren rund 723 Millionen Franken vermögensrechtlich übertragen. Seit der Abschaffung der Erbschaftssteuer 2011 erhebt das Land keine Erbschaftsstatistik mehr.
Kurz zusammengefasst
Ein amtlich ermitteltes Durchschnittserbe gibt es für Liechtenstein nicht. Rechnerisch betrug der Nachlass pro Steuerfall 2010 rund 2,4 Millionen Franken; der Median des Reinvermögens lag 2021 bei rund 61'000 Franken pro Steuerpflichtigem.
Diese Seite ordnet die vorhandenen Daten ein, nennt Medianwerte des Vermögens als Anhaltspunkt und stellt Schweizer Vergleichszahlen daneben (als solche gekennzeichnet). Stand: Oktober 2026.
Die letzte amtliche Erbschaftsstatistik (2010 und 2011)
Bis 2010 erfasste die Steuerverwaltung jeden Nachlass. Diese Daten sind die einzige amtliche Grundlage für Erbvolumen.
1. 723 Millionen Franken Nachlassvolumen im Jahr 2010
Laut Steuerstatistik betrug der Nachlass laut Einantwortungsurkunden 2010 insgesamt 723'219'172 Franken, der steuerbare Vermögensübergang 716,9 Millionen. Das ist die letzte vollständige Zahl vor Abschaffung der Steuer.1
2. 306 Veranlagungen im Jahr 2010, davon 213 mit Steuer
2010 wurden 306 Nachlass- und Erbanfallsteuerveranlagungen durchgeführt, 213 davon mit Steuerbetrag. Bei 93 Veranlagungen fiel keine Steuer an.2
3. Rechnerisch rund 2,4 Millionen Franken pro Veranlagung
Teilt man das Nachlassvolumen 2010 durch die 306 Veranlagungen, ergibt sich ein Mittelwert von etwa 2,36 Millionen Franken (eigene Berechnung). Der Wert wird von wenigen sehr grossen Nachlässen getrieben und sagt wenig über einen typischen Nachlass aus.3
4. Durchschnittliche Steuer pro Veranlagung 2010: 79'607 Franken
Die Steuereinnahmen aus Nachlass- und Erbanfallsteuer lagen bei 22,9 Millionen Franken. Pro Veranlagung ergab das durchschnittlich 79'607 Franken Steuer.4
5. Erbschaftssteuer von 22,9 auf 1,4 Millionen Franken gefallen
Nach der Abschaffung zum 1. Januar 2011 sank der Ertrag 2011 auf 1,4 Millionen Franken (Übergangsfälle). Das gesamte Nachlassvolumen in diesem Jahr betrug noch 22,8 Millionen Franken.5
6. Schenkungen: 142,5 Millionen Franken veranlagt im Jahr 2011
Bei den Schenkungen stiegen die veranlagten Werte von 114,4 Millionen Franken (2010) auf 142,5 Millionen (2011), bei 505 Veranlagungen. Wer zu Lebzeiten Vermögen überträgt, kann das Erbe so planen.6
Heute: keine Steuer, keine Erbstatistik
7. Seit 2011 keine Erbschafts- und Schenkungssteuer
Das neue Steuergesetz hat Nachlass-, Erbanfall- und Schenkungssteuer aufgehoben. Erben erhalten den Nachlass in Liechtenstein steuerfrei, die Schenkungsmeldepflicht bleibt jedoch bestehen.7
8. 258 Einantwortungen im Jahr 2025
Von 369 neuen Verlassenschaftsverfahren endeten 258 mit der Einantwortung an die Erben, in 72 Fällen fehlte Vermögen für ein Verfahren. 72 der 338 erledigten Verfahren (rund 21 Prozent) betrafen vermögenslose Nachlässe.8
Vermögen als Anhaltspunkt für Erbschaften
Das Reinvermögen der Haushalte zeigt, was Erben typischerweise erwartet.
9. Median Reinvermögen pro Steuerpflichtigem 2021: 61'055 Franken
Der Durchschnitt lag mit 498'463 Franken fast achtmal höher. Das typische Erbe dürfte näher am Median als am Durchschnitt liegen.9
10. Median pro Haushalt 2021: 142'909 Franken
Pro Haushalt betrug der Median 142'909 Franken, der Durchschnitt 923'064 Franken. Ein Erbe aus einem Haushalt ist damit regelmässig grösser als das Vermögen einer Einzelperson.10
11. Median pro Haushalt 2023: 155'949 Franken
Gegenüber dem Vorjahr stieg der Median um 3,9 Prozent. Die Verteilung bleibt laut Amt für Statistik stark ungleich.11
Zum Vergleich: Schweiz
Schweizer Zahlen sind kein Ersatz für Liechtenstein, geben aber eine Grössenordnung.
12. Schweiz: Median-Nachlass 1,4 Millionen Franken (VZ-Studie)
Eine Studie des VZ Vermögenszentrums fand für Mittelstandshaushalte einen Median von 1,4 Millionen Franken. Ein Viertel lag unter 829'000, ein Viertel über 2,4 Millionen Franken. Die Stichprobe umfasste über 3'000 Fälle.12
13. Schweiz: 31 Prozent der Befragten haben schon geerbt
Laut Raiffeisen-Umfrage (Dezember 2024) haben 31 Prozent der 18- bis 79-Jährigen bereits geerbt, bei den 66- bis 79-Jährigen 64 Prozent. Nur 35 Prozent erwarten künftig eine Erbschaft.13
14. Schweiz: 100 Milliarden Franken Erbvolumen 2025
Brülhart schätzt das Volumen auf rund 100 Milliarden Franken, die reichsten 10 Prozent der Erben erhalten rund drei Viertel davon.14
Fehlen verlässliche Durchschnittswerte, zählt umso mehr, was im eigenen Fall geregelt ist. Wer seinen Nachlass selbst bestimmen möchte, kann hier ein Testament entwerfen. Zur Orientierung dienen ausserdem der Beitrag zum Thema Erbschaftssteuer. Wie ein Testament nach liechtensteinischem Recht aufgebaut sein muss, erklärt der Beitrag zur Testamentsvorlage. Wer wissen will, was Kindern und dem Ehegatten mindestens zusteht, findet es im Beitrag zum Pflichtteil und im Pflichtteilsrechner; die gesetzliche Erbfolge zeigt, was ohne Testament gilt.
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Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist das durchschnittliche Erbe in Liechtenstein?
Eine amtliche Zahl gibt es nicht. Für 2010 ergibt sich rechnerisch ein Wert von rund 2,4 Millionen Franken pro steuerlich erfasstem Nachlass, der von wenigen sehr grossen Fällen geprägt ist.
Muss man in Liechtenstein Erbschaftssteuer zahlen?
Nein, die Steuer wurde zum 1. Januar 2011 abgeschafft.
Warum fehlt eine aktuelle Erbstatistik?
Mit der Abschaffung der Erbschaftssteuer entfiel die Steuerdatengrundlage. Das Landgericht zählt nur Verfahren, nicht Nachlasswerte.
Quellenverzeichnis
Über den Autor
Max Kuch
Max Kuch ist Gründer von Testament Liechtenstein und schreibt über Testamente, Erbrecht und Nachlassplanung in Liechtenstein. Für diese Auswertungen sichtet er amtliche Statistiken und Gerichtsberichte; er ist weder Rechtsanwalt noch Notar.